Sommerhitze

Für Lias Wettbewerb

Es war einer dieser schwülen Tage im Sommer, die Luft schien sich nicht zu bewegen. Jeder hatte die Hitze satt, die in diesem Jahr schon so früh begonnen hatte und sich jetzt mit plötzlichem Regen abwechselte. Die letzten Wochen vor den Sommerferien schienen nicht vorbeigehen zu wollen, die Noten der ganzen Klasse wurden von Tag zu Tag zu schlechter, da man nach der Schule nur kurz nach Hause ging um ein paar Sachen zu holen und dann an den See fuhr. Jedenfalls war das bei meinen Freunden&mir der Fall. Schon seit Wochen sah jeder Tag gleich aus, niemals hätte ich geahnt, dass einer dieser Tage mein Leben so grundlegend verändern hätte können.

 An diesem Tag konnte ich nicht mit den anderen gleich nach der Schule an unseren Lieblingssee, der ein paar Dörfer weiter weg war, da meine Eltern der Meinung waren, dass ich mir in Mathe "keinen Fehltritt mehr erlauben könnte" und ich lernen sollte.

 Als ich schließlich nachmittags in die kleine Straße einbog, die zum Weiher führte, war mir unglaublich heiß und meine Haare klebten an meiner Stirn. Ich ließ mein Fahrrad einfach in die Wiese fallen und lief auf meine zwei besten Freunde zu, die faul auf einer Decke lagen. Luis bemerkte mich zu erst, er rief: "Hey, Lee, na, wie erging es meiner besten Freundin beim Mathe lernen?" Luis, mein bester Freund seitdem ich in der fünften Klasse von meiner Lehrerin gezwungen wurde, neben ihm zu sitzen. Und der feste Freund meiner allerbesten Freundin Luna. "Naja, du kennst mich doch, Mathe gehört nicht gerade zu meinen Stärken.", antwortete ich lachend und fing an, meine nassgeschwitzten Klamotten auszuziehen. Da drehte sich auch Luna zu mir um und blinzelte mir entgegen. "Du könntest nur fünfer schreiben und wärst immer noch besser als ich! Ich bin einfach zu doof dafür!" Wir lachten und Luis legte den Arm um sie, küsste sie zärtlich auf die Wange und murmelte: "Da könntest du Recht haben. Aber weißt du was? Deswegen lieb ich dich so." Manchmal zieht sich mein Herz schmerzhaft zusammen, wenn ich die beiden so glücklich zusammen seh und daran denke, dass ich noch nie Glück in der Liebe hatte. Doch dann zwinge ich mich selbst dazu, das Positive zu sehen. Ich meine, wer hat schon das große Glück, dass sich seine zwei besten Freunde so gut verstehen?  

Ich wandte den beiden den Rücken zu und rannte auf den dunkeltürkisen See zu. Ich fühlte mich schlagartig besser, als ich in das kühle, dunkle Wasser eintauchte. Ich liebe Wasser, wenn ich schwimme, kann ich alle meine Sorgen vergessen. Noch nie konnte ich Menschen verstehen, die nicht gerne in kaltem Wasser schwimmen gehen oder sich sogar vor Wasser fürchten. Das war schon immer so. Ich schaute zu Luna und Luis rüber, die sich gerade leidenschaftlich küssten und beschloss, sie nicht zu stören und noch ein paar Runden zu schwimmen.

 Als ich schließlich abgekühlt wieder auf der Decke lag, drifteten meine Gedanken ab und ich schloss die Augen. Durch meine Augenlieder sah ich das helle Flimmern der Sonne und die warme Luft roch nach Sommer und heißem Teer.

Als ich aufwachte, lag nur noch Luis neben mir und lächelte mich an. Ich gähnte und fragte ihn: "Wo ist Luna?" "Sie musste nach Hause, ihre Mum hat irgendwie von der Sechs in Mathe erfahren.", antwortete er. "Oh.", murmelte ich, ich war noch zu müde, um irgendetwas anderes zu sagen. Luis biss sich auf die Lippe, ich sah, dass er sich ein Lachen verkniff. "Was?", fragte ich ihn. Er sprang auf und mit den Worten "Ich glaube hier braucht jemand dringend eine Erfrischung!" hob er mich von der Decke hoch und rannte auf den See zu. Ich kreischte und strampelte, doch ich konnte mich einfach nicht befreien. Er schmiss mich ins Wasser und die plötzliche Kälte raubte mir für einen Moment den Atem. Ich schrie: "Du Arschloch, das bekommst du zurück!" Wir begannen eine wilde Wasserschlacht und ich versuchte ihn, unter Wasser zu drücken, was natürlich nicht funktionierte, da er ungefähr zehnmal stärker war als ich. 

Doch auf einmal war er ganz anders, sein Blick änderte sich schlagartig, er kam mir bekannt vor, und doch wusste ich nicht, was er bedeute. Er lief im Wasser auf mich zu und hielt meine Arme fest. Verwirrt schaute ich ihn an. "Ich liebe dich, Lee.", flüsterte er. Ich fing an zu lachen und meinte: "Das will ich hoffen! Ich liebe dich auch, Luis!" Doch sein Blick blieb ernst und er sagte: "Nein, das meine ich nicht, ich..." Erst da verstand ich, was er meinte und plötzlich war ich wie gefangen in seinen tiefblauen Augen. Sein Gesicht näherte sich meinem und es kam mir vor, als würde es ewig dauern. Ich wollte Stop sagen. Wollte ihm sagen, dass es falsch wäre, dass wir damit Luna unendlich verletzen würden. Doch als sich seine weichen Lippen schließlich auf meine legten, fühlte es sich einfach nur perfekt an. So vollkommen. 

Ich weiß nicht mehr, wie lang wir dort standen und uns küssten, doch es fühlte sich an, als hätten wir nie etwas anderes gemacht. Wie von allein fanden meine Hände den Weg in seine nassen Haare und er umfasste meine Taille. Irgendwann öffnete ich meine Augen und sein Gesicht mit seinem Lächeln, dass ich schon immer so geliebt hatte, war meinem immer noch nah.

Ich bemerkte selbst erst, dass ich weinte, als er mit seinem Daumen meine Tränen wegwischte. "Wieso weinst du?", fragte er mich. "Wir dürfen das nicht, das ist alles falsch.", murmelte ich, die letzten Worte wurden fast von meinen Tränen erstickt. "Aber wie kann etwas, dass sich so richtig anfühlt, denn falsch sein?" Sein Blick, in dem Verzweiflung und trotzdem auch Leidenschaft lagen, berührte mich so tief, dass es weh tat. "Ich weiß es nicht, Luis. Ehrlich nicht." Es fiel mir schwer, nicht total los zu heulen, deswegen drehte ich mich um, rannte aus dem See hinaus zu unserem Platz auf der Wiese, schmiss meine Sachen irgendwie in meine Tasche und fuhr im Bikini nach Hause. Der warme Wind trocknete meine Tränen, doch sobald die alten getrocknet waren, kamen neue hinzu.

Ich habe Luna nie von dem Kuss erzählt, und so blieb bei uns beiden alles so, wie es war. Luis hatte ich dafür für immer verloren, unsere Freundschaft zerbrach langsam, ohne dass ich es wirklich mitbekam.

Ich vermisste ihn oft, doch hatte mich für sie entschieden.

Nicht für meine große Liebe, die diesen Sommer zum heißesten meines Lebens machten.

Kommentare: 5
  • #5

    Nika (Freitag, 07 Juni 2013 23:06)

    PS.: Diese Geschichte hat mich zu Ohne Worte. inspiriert <3 Danke dafür :*

  • #4

    Nika (Freitag, 07 Juni 2013 22:43)

    Wow, dieses Thema liest man so oft, aber so gefühlvoll hab ich es noch nie gesehen... !

  • #3

    Blinzelmädchen ☂ (Donnerstag, 16 Mai 2013 19:38)

    Ich finde das richtig schön wie du das schreibst.

  • #2

    Lia♥ (Sonntag, 05 Mai 2013 08:54)

    Oh. Wie gesagt ist die Geschichte wunderschön. Mit viel Gefühl. Ich weiß gar nicht was ich dir für Tipps geben soll.

    Doch ein kleiner Tipp: Mach weiter so! ^^

  • #1

    Lia♥ (Montag, 22 April 2013 14:59)

    echt schön! *-*